Digitale Vernetzung: Wie sicher sind sensible Firmendaten?

Daten zu erheben, zu speichern und auszuwerten spielt in der digitalisierten und vernetzten Fertigung eine zentrale Rolle. Um Produktionsprozesse schneller, flexibler und leistungsfähiger zu gestalten, müssen alle relevanten Informationen jederzeit zur Verfügung stehen – auch über Unternehmens- und Standortgrenzen hinweg. Die neuen Technologien bergen jedoch auch zusätzlichen Aufwand und beträchtliche Sicherheitsrisiken. Die Schweißtechnik hat die Bedeutung des Themas Big Data erkannt und entwickelt Lösungen, um sensible Daten effektiv zu nutzen und gleichzeitig vor unbefugtem Zugriff zu schützen.

Im privaten Bereich sind die fortschreitende Digitalisierung und die Nutzung neuer, web-basierter Kommunikationstechniken schon seit längerem an vielen Stellen sichtbar, etwa beim Hören von Musik oder beim Speichern und Teilen von Fotos. Eine ähnliche Entwicklung findet in der industriellen Fertigung statt: Maschinen, Ladungsträger, Bauteile und Waren werden zu übergeordneten Wertschöpfungsketten vernetzt, deren Elemente miteinander kommunizieren und so optimal ineinandergreifen. Voraussetzung dafür: Alle relevanten Produkt- und Prozessdaten müssen in digitaler Form vorliegen und allen beteiligten Stationen zur Verfügung gestellt werden.

 

SCHNELLER, FLEXIBLER UND GÜNSTIGER FERTIGEN

Auch in der Schweißtechnik sind Datenverarbeitung und -analyse auf dem Vormarsch: Moderne Schweißsysteme erfassen Informationen über Strom, Spannung oder Drahtvorschub, Schweißgeschwindigkeit und -zeit sowie Lichtbogen- und Dynamikkorrektur oder Jobnummern. „Anhand dieser Daten lassen sich Schweißprozesse optimieren und Fehler vermeiden“, erklärt Roland Schick, Technical Product Manager Welding Datamanagement & Applications bei Fronius Perfect Welding. „Außerdem können Anwender Schweißanlagen nahtlos in eine vernetzte und automatisierte Produktionsumgebung integrieren.“ Fronius hat dafür mit WeldCube ein eigenes Datenmanagementsystem entwickelt, mit dem sich Stromquellen per Netzwerk miteinander verbinden lassen und die Daten einfach per Webbrowser mit verschiedensten Devices abgerufen werden können.

 Diese Daten zu nutzen, ist jedoch auch mit zusätzlichem Aufwand verbunden: Die Erfassung, Speicherung und Auswertung erfordert nicht nur die entsprechende Technik, sondern auch Zeit, Ressourcen und Know-how – umso mehr, wenn es sich um große Mengen an Datensätzen handelt. „Das massenhafte Sammeln von Daten, wie es zum Beispiel große Suchmaschinenanbieter betreiben, ist daher für die industrielle Fertigung weniger interessant“, erläutert Schick. „Statt Big Data ist hier der Trend eher Smart Data: Nicht alle Informationen speichern, sondern nur die relevanten.“ Welche das sind, ist jedoch von Anwendung zu Anwendung unterschiedlich: In der Schweißtechnik etwa kann die Erfassung externer Faktoren wie Luftfeuchtigkeit und Temperatur wichtige Erkenntnisse liefern. Diese mit den Geräte- und Prozessdaten zu verknüpfen und gemeinsam zu analysieren, könnte die Grundlage für weitere Optimierungen sein.

 

VOR UNBEFUGTEM ZUGRIFF GESCHÜTZT

Ein wichtiger Aspekt ist die Sicherheit der erfassten und gespeicherten Informationen. Schließlich handelt es sich dabei in vielen Fällen um sensible Firmendaten, die unter keinen Umständen in die falschen Hände gelangen dürfen. „Uns ist bewusst, dass das Risiko für Datenmissbrauch sowohl bei der lokalen Speicherung wie auch bei einer Verarbeitung in der Cloud vorhanden ist. Deshalb beschäftigen wir nicht nur intern IT-Security-Experten, sondern arbeiten auch eng mit externen Firmen zusammen, die sich auf Datensicherheit spezialisiert haben“, beschreibt Schick. 

Um die Daten zu schützen, gibt es verschiedene Methoden. Eine davon ist der Einsatz von aktueller Kryptographie zur Verschlüsselung und Authentifizierung der Daten. Bei der Übertragung wird diese im Idealfall nach dem ‚End-to-End‘-Prinzip umgesetzt: Der Absender verschlüsselt die Informationen in einer vertrauenswürdigen Umgebung mit einem System, das erst vom Empfänger in ebenfalls geschützter Umgebung wieder entschlüsselt werden kann. Auch Zertifikate, die die Echtheit der Daten und des Absenders belegen, werden genutzt. „Die Daten unserer Kunden sind uns heilig, deshalb schaffen wir dafür die bestmöglichen Standards“, betont Schick. „Trotzdem herrscht in den meisten Unternehmen noch sehr viel Skepsis gegenüber Vernetzung und Datenaustausch. Hier versuchen wir, Vorurteile auszuräumen und die Vorteile zu verdeutlichen. Anwender müssen den Nutzen der Digitalisierung bei sich in der Praxis erleben, dann steigt auch die Akzeptanz.“

Sicherheit bedeutet auch, Maschinen und Geräte – zum Beispiel Schweißstromquellen – gegen Angriffe von Hackern zu schützen. Durch die starke Vernetzung im „Internet der Dinge“ kann es passieren, dass sich Unbefugte Zugriff auf Teile der industriellen Fertigung verschaffen – sei es, um wertvolle Daten und Know-how zu stehlen oder um die Produktion zu sabotieren. Auch hier sind die Gerätehersteller gefordert: „Sicherheit in Softwareprodukten wird bei Fronius bereits in der Design-Phase berücksichtigt“, schildert Roland Schick. Ebenso sind jedoch die Anwender in der Pflicht, indem sie entsprechend hohe Sicherheitsmaßnahmen in ihren Netzwerken umsetzen. Dies beginnt schon beim Ändern von Standard-Passwörtern in sichere Passwörter nach dem Stand der Technik.

 

VERNETZUNG NÜTZT HERSTELLERN UND KUNDEN ZUGLEICH 

Für die Zukunft bescheinigt der Fronius-Fachmann der Datenerfassung in der Industrie weiteres großes Potenzial: „Mit den richtigen Informationen unserer Kunden können wir nicht nur dabei helfen, ihre Schweißprozesse zu optimieren, sondern auch ihre Anforderungen in unsere Produktentwicklung mit einfließen lassen.“ Die Anregungen und Wünsche, die die Service- und Anwendungstechniker von Fronius von ihren Einsätzen vor Ort mitbringen, könnten dadurch noch stärker mit konkreten Fakten untermauert und greifbarer gemacht werden. „Auch für uns sind diese Daten interessant. Wir sehen zum Beispiel: Welche Software-Funktionen werden am meisten verwendet, was müssen wir weiterentwickeln, was können wir dem Kunden vereinfachen?“ Das Geschäft mit Software und Daten werde bei Fronius immer größere Bedeutung erhalten, ist Schick überzeugt: „Ob bei Produkt- und Prozess-Updates oder im Service: Durch die digitale Vernetzung können wir Anwender in vielen Dingen schneller, flexibler und kostengünstiger unterstützen. Vertrauen in die neue Technologie ist dafür die Grundvoraussetzung.“

 

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