Ergänzen statt ersetzen Wie Mensch und Roboter in Zukunft zusammenarbeiten können

Die Entwicklung in der Robotik schreitet rasant voran: Das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine ist längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern in vielen Lebens- und Arbeitsbereichen Realität – auch in der Schweißtechnik.

Doch wie müssen Roboter gestaltet sein, dass wir Menschen uns mit ihnen sicher fühlen, mit ihnen arbeiten können und die autonomen Helfer nicht als Bedrohung empfinden? Wir haben nachgefragt – bei Prof. Dr. Martina Mara, weltweit erste Professorin für Roboterpsychologie an der Johannes Kepler Universität Linz.

Frau Professor Mara, Sie bezeichnen sich selbst als Roboterpsychologin. Was verstehen Sie darunter?

Der Begriff „Roboterpsychologie“ stammt von dem Science-Fiction-Autor Isaac Asimov. In seinen Geschichten gibt es eine Psychologin für Roboter. Danach haben wir den Forschungsschwerpunkt benannt, den wir hier in Linz geschaffen haben. Wir drehen den Begriff aber um. Bei mir geht es nicht um die Psyche der Roboter, sondern um das Wohlbefinden der Menschen. Wir befinden uns inmitten einer technologischen Transformation. Darum ist es wichtig, darüber nachzudenken, wie wir eine automatisierte Zukunft gestalten, in der sich möglichst viele Menschen wohl fühlen.

In welchen Lebens- und Arbeitsbereichen ist die Interaktion zwischen Mensch und Roboter besonders relevant?

Vor allem virtuelle Roboter, sogenannte Bots, haben bereits Einzug in unseren Alltag gehalten: Alexa und Co. tauchen in immer mehr Wohnzimmern auf und wir interagieren sprachlich mit ihnen. Im Gegensatz dazu haben die meisten Menschen mit physischen Robotern – über automatische Staubsauger und Rasenmäher mal hinausgedacht – noch kaum Erfahrung. Das wird sich aber wohl in den nächsten zehn bis 20 Jahren ändern. Insbesondere bei robotischer Mobilität gibt es viele Entwicklungen – etwa Transportroboter in Krankenhäusern oder Pflegeeinrichtungen, die Bettwäsche oder Essen von A nach B bringen. Auch selbstfahrende Autos werden kommen – wenn auch noch nicht in den nächsten fünf Jahren.

In der Industrie wird derzeit häufig über „Cobots“, also kollaborative Roboter diskutiert. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Im Moment gibt es noch wenig echte Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter. Dort, wo Industrieroboter zum Einsatz kommen, arbeiten sie meist noch in Sicherheitskäfigen und hinter Absperrbändern. Aufgrund der besseren Sensorik wird nun aber eine engere Zusammenarbeit möglich. Ich finde hier vor allem das gegenseitige Verständnis von Mensch und Roboter wichtig. Was muss ein Cobot seinem menschlichen Teampartner zu welchem Zeitpunkt anzeigen? Wie muss er sich verhalten, damit sich der Mensch sicher und beispielsweise nicht zu stark dominiert fühlt? Ich glaube, dass manche Menschen besser mit proaktiven Robotern umgehen können, andere einen zurückhaltenden Roboter bevorzugen, der eher auf Kommando reagiert. Cobots müssen zudem für unterschiedliche Expertenlevel gestalten werden: Jemand, der mit Robotern noch nichts zu tun hatte, hat ganz andere Bedürfnisse in der Interaktion mit der Maschine als jemand, der daran gewöhnt ist oder schon viel über Robotik weiß.

Viele Menschen sehen den verstärkten Einsatz von Robotern durchaus kritisch. Wie lässt sich Ihrer Meinung nach die Akzeptanz gegenüber der neuen Technologie erhöhen?

Mensch und Roboter sollten sich grundsätzlich in ihren Stärken ergänzen und ein Roboter sollte den Menschen nicht kopieren. Im öffentlichen Diskurs stehen ja oft humanoide und androide Roboter im Zentrum, die den Menschen als gesamtheitliches Wesen zu ersetzen drohen. Die Medien vermitteln meiner Meinung nach oft ein falsches Bild und erzeugen falsche Ängste. Hier gilt es entgegenzuwirken, um eine Basis für einen produktiven Umgang mit dem Thema zu schaffen. Außerdem gibt es viele Begriffe und Konzepte, die nie richtig erklärt werden. Vielen Menschen fehlt daher das Grundverständnis – dabei ist dieses enorm wichtig. Jeder soll mündig darüber mitdiskutieren können, wie die Zukunft mit den Technologien gestaltet werden soll. Insgesamt geht es mir darum, dass wir eine menschenzentrierte Roboter-Zukunft schaffen: Roboter können uns entlasten, indem sie mühsame, monotone und andere ungeliebte Aufgaben übernehmen. Mit den richtigen Rahmenbedingungen kann das zu mehr Lebensqualität für uns alle führen.

Zur Person:

Martina Mara, geboren 1981, ist Technikpsychologin und seit April 2018 Professorin für Roboterpsychologie an der Johannes Kepler Universität Linz. Sie promovierte an der Universität Koblenz-Landau zu menschenähnlichen Robotern und war viele Jahre am Ars Electronica Futurelab tätig, wo ihr Schwerpunkt auf industriellen und interdisziplinären Forschungskooperationen lag. Mara ist Mitglied des Österreichischen Rats für Robotik und Künstliche Intelligenz und Vorstandsmitglied der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Als Zeitungskolumnistin kommentiert sie das technologische Zeitgeschehen regelmäßig für ein breites Publikum. Im Jahr 2018 wurde sie mit dem BAWAG Frauenpreis sowie dem Futurezone Award in der Kategorie "Women in Tech" ausgezeichnet.